Elternhaltestellen

Gegen das tägliche Verkehrschaos vor Schulen

Elternhaltestelle in Düsseldorf

LVW-Präsident Prof. Jürgen Brauckmann, Schulministerin Yonne Gebauer (2.v.l.) und Melanie Gregrowicz (l.), Schulleiterin der Düsseldorfer Henri-Dunant-Schule, warben mit Erstklässlern und deren Müttern für die Nutzung der Elternhaltestelle.

In den vergangenen Jahren hat sich der Hol- und Bringverkehr vor Schulen deutlich erhöht. Immer mehr Erziehungsberechtigte bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule – weil sie sie vor den Gefahren des Straßenverkehrs schützen wollen, weil sie zu weit von der Schule entfernt wohnen, um zu Fuß zu gehen, oder weil es schlicht bequem ist und an einem hektischen Morgen Zeit spart.

Dabei ist es für Kinder entscheidend, dass sie zu Fuß als Verkehrsteilnehmer ihre Erfahrungen sammeln. Auf dem Schulweg lernen sie, Geschwindigkeiten und Entfernungen von Fahrzeugen richtig einzuschätzen, das räumliche Vorstellungsvermögen insgesamt und auch die Wahrnehmung von Zeit werden verbessert. Auf den Schulwegen lernen die Kinder Verkehrsregeln und sie lernen Verkehrsschilder und -einrichtungen kennen.

All diese Kenntnisse und Fähigkeiten sind wichtig, damit die Kinder selbstständig und sicher Wege zu Fuß gehen können. Auch steigt mit jedem allein zurückgelegten Weg das Selbstbewusstsein der Erstklässlerinnen und Erstklässler. Nach einem zu Fuß zurück gelegten Schulweg haben die Kinder die letzte Müdigkeit abgeschüttelt, Sauerstoff getankt und sich bewegt. Nun können sie konzentriert in den Schultag starten.

Und noch ein Aspekt ist von Bedeutung: Kinder, die von klein auf an das Auto gewöhnt sind, werden es auch im Erwachsenenalter als die selbstverständliche Mobilitätsform begreifen. Wem hingegen von den Eltern als Kind das Zu-Fuß-Gehen, das Radfahren und die Nutzung von Bus und Bahn nahe gebracht bekommen wurde, wird im Erwachsenenalter diese gesundheitsfördernden und umweltschonenden Fortbewegungsmöglichkeiten eher in Erwägung ziehen.

Dem stehen Nachteile bei der Autonutzung gegenüber. Neben dem Umweltaspekt nimmt mit jeder Fahrt die Verkehrsdichte zu. Vor den Schulen bildet sich vielerorts ein allmorgendliches Verkehrschaos, wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto abliefern. Denn die Infrastruktur der meisten Schulen ist nicht für ein hohes Verkehrsaufkommen ausgelegt, es fehlt der Raum für Parkplätze. An- und abfahrende PKW gefährden diejenigen Kinder, die zu Fuß zur Schule kommen.

Auch diejenigen Eltern, die nicht auf das Auto verzichten können oder wollen, haben die Möglichkeit, ihre Kinder „laufen zu lassen“. Sie sollten ihre Kinder in einiger Entfernung zur Schule aus dem Wagen lassen. So können sie die letzten Meter zu Fuß gehen und es entsteht kein Stau vor dem Schulgebäude. Dabei sollten die Erziehungsberechtigten aber darauf achten, dass das Kind immer zur Bürgersteigseite aussteigt. Auch muss das Kind während der gesamten Autofahrt, und sei sie noch so kurz, korrekt gesichert sein.

Die Landesverkehrswacht NRW hat zum Schuljahr 2015/16 eine Initiative gestartet, um Grundschulen mit so genannten „Elternhaltestellen“ auszustatten. Dabei wird in Zusammenarbeit von Schule, Polizei, örtlicher Verkehrswacht und lokaler Verkehrsbehörde im Umfeld von Schulen nach geeigneten Orten gesucht, an denen eine Hol- und Bringzone eingerichtet werden kann. Diese werden dann mit einem Schild gekennzeichnet. Von dort aus können die Kinder zu Fuß zur Schule, während die Eltern sich auf den Rückweg machen können.

Eine kurze Zusammenfassung, wie man sich als generell autofahrende Eltern verhalten soll finden Sie hier und alle Tipps zur Einrichtung einer Elternhaltestelle hier.