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30 Pedelecfahrer kamen 2020 in NRW ums Leben. Symbolfoto: PP Münster

NRW-Verkehrsunfallstatistik 2020 – Anstieg bei Pedelec-Unfällen

2020 waren wegen Corona weniger Menschen auf Nordrhein-Westfalens Straßen unterwegs. „Atypisch“ sei  aus diesem Grund die Verkehrsunfallstatistik für das zurückliegende Jahr, so Innenminister Herbert Reul bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik am 10. März 2021. So wurden weniger Unfälle (-16,4 Prozent), weniger Tote (-5,7 Prozent) und weniger Schwerverletzte (-10,5 Prozent) registriert. „Im ersten Lockdown ist das Verkehrsaufkommen auf den nordrhein-westfälischen Straßen teilweise um 40 Prozent, im zweiten Lockdown um 35 Prozent zurückgegangen“, so Reul.

 

PKW

Insgesamt wurden von der Polizei im vergangenen Jahr 556.161 Unfälle aufgenommen, 2019 waren es 665.408. Ebenfalls gesunken sind die Zahlen der Schwer- und Leichtverletzten. 2020 gab es 12.110 Schwerverletze (2019: 13.531). Die Zahl der Leichtverletzten sank von 64.259 auf 54.492 (-15,2 Prozent). „Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1953 gab es noch nie so wenig Todesopfer auf den NRW-Straßen“, sagte Reul. 2020 starben 430 Menschen durch einen Verkehrsunfall. Das sind 26 weniger als im Vorjahr (2019: 456). „Aber“, so fügt er an: „63 Menschen sind auf Autobahnen zu Tode gekommen, das sind 13 mehr als 2019.“

Die Hauptunfallursache war Geschwindigkeit (100), gefolgt von zu geringem Abstand (18) und Alkohol und Drogen (30). Mit Smartphone am Steuer kamen zwei Menschen ums Leben. „Die Polizei hat nach Verkehrsunfällen 462 Handys sichergestellt. Da ist die Dunkelziffer also hoch und wir glauben, dass das öfter Unfallursache ist“, so Reul. Zusammenfassend sagt er: „Das Verrückte ist, es ist leicht diese Unfälle zu vermeiden: früh genug losfahren, Taxi nach einer Party rufen und Handy in Tasche lassen.“ Der Menschenverstand sei besser als jeder Airbag.

 

Pedelecs

Besorgniserregend, so Reul, sei die Entwicklung im Bereich der Pedelecs. 3.897 Verunglückte und 30 Getötete verzeichnete die Polizei in NRW hier. Im Vergleich zum Vorjahr sind Steigerungen von 43 und 20 Prozent. „Hier ist die Gruppe der älteren Menschen besonders gefährdet“, so Reul, der ganz klar sagt: „Wir haben ein Pedelec-Problem.“ Denn bei den Radfahrern sind die Zahlen der Verunglückten mit 14.961 wie auch der Getöteten mit 46 um jeweils gut 4 Prozent leicht zurückgegangen. Was man tun könne? „Immer einen Helm tragen, nicht einfach aufsteigen und losfahren, sondern sich vorher mit dem Pedelec vertraut machen und Sicherheitstrainings bei Verkehrswachten absolvieren“, so Reul.

 

E-Scooter

30.000 E-Scooter stehen in den Städten NRWs herum. „Wir haben 587 Unfälle mit ihnen aufgenommen“, so Reul. Ein starker Zuwachs zum Vorjahr. In fast einem Viertel der Unfälle waren Alkohol bzw. Drogen die Ursache, die meisten Unfälle passierten am späten Nachmittag und nachts zwischen 1 und 5 Uhr. In dreiviertel der Unfälle waren die Fahrer schuld am Unfall. „Für viele ist das immer noch ein Jux“, so Reul. „Es ist ein Stadtproblem“, so Reul. Köln, Düsseldorf, Bonn, Aachen und Bochum seien die Städte, in denen es am meisten Unfälle gegeben hat.

 

Schulwegunfälle

Gute Nachrichten gab es in Hinblick auf die Schulwegunfälle. 377 gab es – und damit 63 Prozent weniger als 2019. Kein Kind ist gestorben. „Wir haben versucht mit der Prävention an Schulen so weiterzumachen, wie es die Lage zugelassen hat, machen da aber weiter“, sagte Reul.

 

Kontrollen:

Raserszene: Im Blick hatte die Polizei 2020 die Raserszene. „Das ist ein Kontrolldelikt, je mehr wir hier machen, desto mehr finden wir“, so Reul. In Zahlen ausgedrückt heißt das: 2019 wurden 766 verbotene Rennen registriert, 2020 insgesamt 1.515 Rennen (+ 97,8 Prozent). Es gab 1.250 Strafanzeigen, 265 Verkehrsunfälle und fünf Tote durch illegale Rennen – ein Fahrer, drei Beifahrer und ein Kind kamen ums Leben. Er macht klar, dass die Kontrollen fortgeführt werden: „Wenn wir aufdrehen, machen wir das auch.“

LKW: „Hier haben wir unsere Anstrengungen ebenfalls gesteigert“, so Reul. Im vergangenen Jahr führte die Polizei 78.000 Maßnahmen in diesem Bereich durch – doppelt so viel wie vor vier Jahren. „Wir haben mehr gemacht, weil wir wissen, dass LKW-Unfälle sofort wieder passieren werden, wenn der Verkehr zunimmt“, sagte Reul.

 

Die Aktion Crash-Kurs NRW hob Herbert Reul im Rahmen der Pressekonferenz hervor. Die Maßnahme, die sich an 18- bis 24-Jährige richte, sei seit Bestehen ein großer Erfolg. Auch er habe an mehreren Maßnahmen teilgenommen: „Wenn Verkehrsunfallopfer dann von ihren Erfahrungen berichten, wird es ganz still.“ Bald habe man mit der Maßnahme 1 Millionen Personen erreicht. Letztes Jahr sei wegen Corona auch nicht so viel möglich gewesen wie sonst, trotzdem habe man 34.000 Personen erreicht.

Aktuell sei der Verkehr wieder auf dem Niveau wie vor Corona. „Die Leute sind wieder unterwegs – auch ohne Fahrsicherheitstraining oder Verkehrserziehung“, so Innenminister Reul.

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