LKW-Unfälle an Stauenden im Fokus

Innenminister Reul stellt Verkehrsunfallbilanz 2017 vor

„Der bange Blick in den Rückspiegel am Stauende ist leider nicht unbegründet“, so Innenminister Reul.

Die Zahl der Verkehrstoten lag im Jahr 2017 bei 484. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Rückgang um 40 Personen. Auch die Zahl der bei Unfällen verletzten Verkehrsteilnehmer reduzierte sich von 79.074 in 2016 auf 77.298 in 2017. Diese Zahlen gab Innenminister Herbert Reul bei der Vorstellung der Verkehrsunfallbilanz 2017 Ende Februar in Düsseldorf bekannt. Sorgen machen dem Minister die gestiegene Zahl der schweren LKW-Unfälle an Stauenden.

Demnach ereigneten sich im vergangenen Jahr 194 Unfälle, bei denen Lkw in ein Stauende fuhren. Fünf Jahre zuvor waren es noch 135 derartige Unfälle. „Das bedeutet einen Anstieg um rund 44% in nur fünf Jahren“, so Reul. Bei allen Unfällen an Stauenden – LKW und andere Fahrzeuge – kamen in 2017 19 Menschen ums Leben. In 2013 waren es noch 13. „Das zeigt, dass der bange Blick in den Rückspiegel am Stauende leider nicht unbegründet ist“, so der Innenminister. „Lastwagen können zu tonnenschweren Geschossen werden.“ Diese Gefahr will Reul bannen, indem er sich für eine europaweite Verschärfung der Vorschriften für Notbremsassistenten stark macht. Es könne nicht sein, dass die LKW-Fahrer die Systeme manuell abschalten können.

Darüber hinaus kündigte Reul mehr Kontrollen an: „Die verstärkte Überwachung von Lastwagen ist ein Teil der neuen ’Fachstrategie Verkehrsunfallbekämpfung’ der nordrhein-westfälischen Polizei.“ Außerdem appellierte er an die Verantwortung der Lkw-Fahrer: „Wer übermüdet fährt, setzt leichtsinnig das Leben anderer Menschen aufs Spiel.“ Während die Getöteten- und Verletztenzahlen zurückgegangen sind, ist die Zahl der Verkehrsunfälle gestiegen: Lag sie in 2016 noch bei noch bei 640.027, stieg sie in 2017 auf 653.442. In den einzelnen Verkehrsteilnehmergruppen entwickelte sich die Bilanz wie folgt: Bei den Motorradfahrern musste ein Anstieg gegenüber Vorjahr um neun Getötete auf 84 verzeichnet werden. Dagegen ging die Zahl der getöteten Radfahrer von 57 auf 50 zurück. Auffällig ist die gestiegene Zahl an Radfahrern, die mit dem Pedelec tödlich verunglückten; sie erhöhte sich von zwölf auf 21. Und es sind besonders ältere Verkehrsteilnehmer, die mit den tretunterstützten Rädern zu Tode kommen: 18 der 21 getöteten Pedelec-Fahrer waren über 65 Jahre alt. „Pedelecs sind vor allem bei Senioren beliebt“, so der Innenminister. „Aber mit dem eingebauten Rückenwind werden Geschwindigkeiten erreicht, die zu Überforderung und Fehleinschätzung führen können.“ Daher empfiehlt der Minister, mit dem Pedelec zu üben und Helm zu tragen. Ausdrücklich verwies Reul auf die Pedelec-Trainings, die die NRW-Verkehrswachten anbieten.