Verkehrspolitische Forderungen der Landesverkehrswacht

1. Tempolimit für Landstraßen neu regeln

Zur Senkung der überproportional hohen Verunfalltenzahlen auf Landstraßen fordert die Landesverkehrswacht die Neuregelung der bisherigen generellen Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h künftig abhängig vom Ausbaustandard der jeweiligen Landstraße festzulegen, sodass insbesondere auf schmalen Landstraßen eine geringere Höchstgeschwindigkeit als 100 km/h ausgewiesen wird.

2. Verkehrssicherheit von autofahrenden Senioren/Innen verbessern

Zur Verbesserung der Verkehrssicherheit von autofahrenden Senioren/Innen und der Erhaltung ihrer langjährigen Mobilität fordert die Landesverkehrswacht die Erforschung der unfallreduzierenden Wirkung von „Rückmeldefahrten“ von Senioren/Innen, bei denen die Senioren/Innen zu ihrer Fahrtüchtigkeit im öffentlichen Straßenverkehr von einem Fahrlehrer beratend begleitet werden (siehe auch Positionspapier weiter unten).

3. Illegalen Autorennen repressiv und präventiv begegnen (2016)

Die Landesverkehrswacht NRW fordert, den in letzter Zeit zunehmenden massiven Verkehrsverstößen in Form von innerörtlich stark überhöhter Geschwindigkeit im Rahmen von illegalen Autorennen, bei denen bewusst Risiken für Gesundheit und Leben auch unbeteiligter Dritter in Kauf genommen werden, verstärkt repressiv und präventiv zu begegnen.

Repressiv heißt:

  • Bestehenden Strafrahmen voll ausschöpfen und ergänzen bis hin zu lebenslänglichem Führerscheinentzug
  • Bereits die Teilnahme an illegalen Rennen unter Strafe stellen
  • Beschlagnahme der Tatfahrzeuge


Präventiv heißt:

  • Mehr Kontrollen zur Einhaltung der Verkehrsvorschriften, insbesondere der Geschwindigkeiten, durch die Polizei, in dem die dafür zuständigen Kräfte verstärkt werden.
  • Durch ihr Verhalten in Form von Verkehrsverstößen gegen die Straßenverkehrsordnung (insbesondere durch Geschwindigkeitsüberschreitungen) auffällig gewordene Verkehrsteilnehmer gemäß §48 StVO zur Teilnahme an entsprechenden Verkehrsseminaren verpflichten.
  • Verkehrssicherheitsprogramme entwickeln, mit denen das Bewusstsein der Fahrerinnen und Fahrer erreicht wird, die dazu neigen, die Risiken des Rasens und illegaler Autorennen einzugehen.


4. Ordnungswidrigkeitentatbestand für Radfahrer mit Blutalkohol von 1,1 Promille (2015)

Die Landesverkehrswacht fordert, einen Ordnungswidrigkeitentatbestand für am Straßenverkehr teilnehmende Fahrradfahrer einzuführen, die eine Blutalkoholkonzentration von 1,1 Promille und mehr aufweisen. Angesichts der erheblichen Zahl von alkoholisiert verunfallten Radfahrern würde durch die Einführung eines Ordnungswidrigkeitentatbestandes ein deutliches Signal gesetzt, dass vorhergehender Alkoholkonsum das Fahrradfahren sehr riskant macht, da ab 1,1 Promille die Fahrfehler und Ausfallerscheinungen sehr stark zunehmen.

5. Warnhinweise gegen Abbiegeunfälle (2013)

Immer wieder ereignen sich an Kreuzungen Unfälle von schwachen Verkehrsteilnehmern wie Radfahrern oder Kindern mit nach rechts abbiegenden LKW und Bussen. Um diese Unfälle, bei denen häufig der „Tote Winkel“ ursächlich ist, in Zukunft zu minimieren, hat die Landesverkehrswacht eine auch von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BaSt) begrüßte Kampagne mit Warnaufklebern an Lkw und Bussen gestartet, mit der Radfahrer auf die Gefahr beim Abbiegen der Fahrzeuge hingewiesen werden. Die Landesverkehrswacht fordert politische Unterstützung, dass insbesondere die ÖPNV-Busse mit diesen Aufklebern versehen werden.

6. Obligatorische Sehtests für Kraftfahrer (2013)

Ausreichende Sehfähigkeit ist für die Teilnahme am motorisierten Straßenverkehr unerlässlich. Freiwillige Sehtests der Landesverkehrswacht haben ergeben, dass je nach Alter 10-30 % aller Verkehrsteilnehmer nicht die Mindestforderungen für den KFZ-Führerschein erfüllen. Kraftfahrer sollten schon früh für beginnende körperliche Defizite sensibilisiert werden. Zur Erneuerung der Fahrerlaubnis, die aufgrund einer Richtlinie des Europäischen Rates alle 15 Jahre erfolgen muss, fordert die Landesverkehrswacht die Einführung eines obligatorischen Sehtests für alle Kraftfahrer.

7. Tempolimit 130 km/h auf Autobahnen (2010)

Die Landesverkehrswacht NRW unterstützt grundsätzlich die Forderung des wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung: Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen einführen (bzw. ein in Europa einheitliches Tempolimit).

8. Helmpflicht für Fahrradfahrer (2010)

Die positive Gesamtentwicklung der Verkehrssicherheit ist an den Radfahrern weitgehend vorbei gegangen. Besonders mit Blick auf die Fahrräder mit Elektroantrieb, mit dessen Hilfe auch schwächere Radfahrer weit schneller als 20 km/h fahren können, ist eine Verschlechterung der Bilanz nicht unwahrscheinlich. Daher sollte eine Helmtragepflicht gelten, wie sie vor über 30 Jahren für Mofafahrer eingeführt worden ist und bis heute zahlreichen Menschen das Leben gerettet hat.

9. 0,0-Promillegrenze für alle Kraftfahrer (2010)

Immer noch stirbt jedes zehnte Unfallopfer bei einem Alkoholunfall. Aufgrund der positiven Erfahrung mit dem generellen Alkoholverbot für Fahranfänger und junge Fahrer sowie der hohen Akzeptanz einer Null-Promille-Grenze bei den deutschen Kraftfahrern sollte für alle Kraftfahrer ein generelles Alkoholverbot am Steuer gelten.

Mehr Sicherheit im Straßenverkehr für Seniorinnen und Senioren als Autofahrende

Ende September 2016 verabschiedete der Vorstand und Beirat der LVW ein von den Professoren Klaus Rompe, Rösrath, und Georg Rudinger, Bonn, ausgearbeitetes Potsitionspapier, dass auf die Verbesserung der Verkehrssicherheit autofahrender Seniorinnen und Senioren abzielt. In seinen Handlungsempfehlungen fasst es zusammen, wie man an die Eigenverantwortung älterer Autofahrer appellieren kann, wie Entscheidungsprozesse von Senioren in Fragen der Mobilität unterstützt werden können, welchen Beitrag Fahrproben im Realverkehr leisten und was technische Entwicklungen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit beitragen. Auch mögliche Beiträge der Forschung werden thematisiert.

Das Posionspapier kann hier heruntergeladen werden:
Mehr Sicherheit im Straßenverkehr für Seniorinnen und Senioren als Autofahrende